Neuigkeiten im Kinderkrebsregister

Wie aktiv sind ehemalige Kinderkrebspatienten und –patientinnen?

Ein kürzlich publizierter Artikel der Swiss Childhood Cancer Survivor Study untersuchte das Bewegungsverhalten von erwachsenen Kinderkrebsüberlebenden im Vergleich zu einer gesunden Kontrollpopulation.

Ein gesunder Lebensstil mit genügend körperlicher Aktivität kann möglichen Spätfolgen einer Krebserkrankung im Kindesalter positiv entgegen wirken.  Wir wollten deshalb herausfinden, wie aktiv ehemalige Kinderkrebspatienten sind und welche Faktoren in dieser Population zu einem inaktiven Lebensstil führen können. Dazu haben wir zwei Formen der körperlichen Aktivität untersucht: 1. Alltagsaktivitäten wie Gehen, Velofahren, Garten- und Hausarbeiten oder Treppensteigen und 2. gezielte Sportaktivitäten wie Jogging, Fussball, Tennis, Yoga, Wandern oder Fitness.

Für die aktuelle Untersuchung haben wir die Antworten aus dem Fragebogen der Swiss Childhood Cancer Survivor Study von ehemaligen Krebspatienten („Survivors“)analysiert und beschrieben. Diese Resultate haben wir verglichen mit den Antworten von Teilnehmern aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2007, sogenannten „Kontrollen“. Wir konnten 1058 Survivors und 5593 Kontrollen in die Untersuchung einschliessen. 

Die Resultate waren unterschiedlich, je nachdem welche Form der Aktivität man betrachtete: Auf der einen Seite haben Survivors mehr Alltagsaktivitäten angegeben als die Kontrollen, auf der anderen Seite betreiben sie aber weniger gezielten Sport. Im Allgemeinen waren es für beide Aktivitätsformen die sozio-kulturellen Faktoren wie das Geschlecht, das Alter, die Ausbildung, der BMI oder die Rauchgewohnheiten, die einen inaktiven Lebensstil begünstigten. Wenn man diese Faktoren berücksichtigt, haben darüber hinaus keine der klinischen Faktoren der früheren Krebserkrankung (wie Krebsart, Alter bei Diagnose, Behandlungsart, Spätfolgen) das Bewegungsverhalten markant beeinflusst. Es gab eienn leichten Trend, dass Survivors, die als Kind ein Neuroblastom, ein Weichteilsarkom oder einen Keimzelltumor hatten, weniger Alltagsaktivitäten aufwiesen. Derselbe Trend war zu beobachten für Survivor von einem Knochentumor, Keimzelltumor, Hirntumor, Neuroblastom oder Retinoblastom für das Ausüben von gezielten Sportarten.  

Körperliche Aktivität ein wirkungsvolles Instrument, um chronische Krankheiten zu verhindern und die Lebensqualität zu steigern. Für ehemalige Kinderkrebspatienten ist ein gesunder Lebensstil und genügend körperliche Aktivität besonders wichtig, weil sie ein erhöhtes Risiko haben für chronische Beschwerden im späteren Leben. Wir haben herausgefunden, dass ehemalige Kinderkrebspatienten etwa gleich aktiv sind wie gesunde Kontrollen. Dennoch erreichen 48% der ehemaligen Kinderkrebspatienten die gesundheitsrelevanten Bewegungsempfehlungen nicht, 37% gaben an, keinen gezielten Sport zu treiben und 21% sind in beiden Bereichen inaktiv. Diese Survivors haben, wie auch die inaktive Allgemeinbevölkerung, ein erhöhtes Risiko Krankheiten zu entwickeln, wie Osteoporose, Übergewicht, chronische Müdigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, tiefe Lebensqualität oder geistige Probleme. Es ist deshalb sehr wichtig, bei Kinderkrebsüberlebenden einen aktiven Lebensstil zu fördern, am besten bereits früh während der Nachkontrollen. Zusätzlich profitieren Survivors von allen Programmen, die das Bewegungsverhalten in der Allgemeinbevölkerung steigern, da sie ähnliche Risikofaktoren für einen inaktiven Lebensstil haben.

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