Neuigkeiten im Kinderkrebsregister

11.07.2017 11:00

Räumliches Clustering von Leukämien bei Kindern in der Schweiz: eine landesweite Studie

Kurzzusammenfassung der Resultate

Unsere Fragestellung

Wir wollten wissen, ob Kinder, welche an Leukämie erkranken, tendenziell näher beieinander wohnen als man rein zufällig erwarten würde (räumliches Clustering) und ob es in der Schweiz Gebiete mit einem markant höheren Erkrankungsrisiko gibt (lokaler Cluster). Wir analysierten sowohl den Wohnort bei Geburt als auch zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose.

Weshalb ist die Fragestellung von Interesse?

Die Ursachen von Leukämien bei Kindern sind weitgehend unbekannt. Verschiedene Studien liefern jedoch Hinweise, dass Umweltfaktoren wie verkehrsbedingte Luftverschmutzung oder der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft das Krebsrisiko erhöhen. Da die Exposition gegenüber diesen Umweltfaktoren vom Wohnort der Kinder abhängt, kann das Risiko an Leukämie zu erkranken von Ort zu Ort variieren. Die Existenz von räumlichem Clustering oder lokalen Clustern können damit neue Anhaltspunkte zu möglichen Umweltrisikofaktoren liefern.

Wie haben wir das genau untersucht?

Die Studie untersuchte Kinder unter 16 Jahren, welche im Zeitraum 1985-2015 in der Schweiz an Leukämie erkrankt waren. Für praktisch alle Kinder war der geokodierte Wohnort bei Geburt und Diagnose bekannt. Um ein Szenario zu entwickeln, bei welchem das Erkrankungsrisiko nicht vom Wohnort abhängt, benutzten wir die Wohnorte von Kindern, welche gleich alt und gleichen Geschlechts waren wie die Leukämiefälle, jedoch zufällig aus den Volkszählungen ausgewählt worden waren. Wir führten verschiedene statistische Tests über räumliches Clustering und lokale Cluster durch. Wir untersuchten auch verschiedene Altersgruppen (0-4, 5-15 Jahre) und verschiedene Untergruppen der Leukämie (akute lymphatische Leukämie, akute myeloische Leukämie).

Unsere Ergebnisse

1871 an Leukämie erkrankte Kinder gingen in die Studie ein. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir mehrere Tests (multiple Tests) durchführten, konnten wir keine statistisch gesicherte Evidenz für räumliches Clustering finden. Die Ergebnisse von einzelnen Tests lieferten jedoch Evidenz für räumliches Clustering bei Distanzen von weniger als 100 m. Der Test für lokale Cluster ergab einen Hinweis für einen Cluster von 5 Kindern mit akuter lymphatischer Leukämie in einer kleinen ländlichen Region in der Schweiz.

Was bedeutet dies?

Insgesamt liefert diese Studie wenig Evidenz für räumliches Clustering oder einen lokalen Cluster der Kinderleukämie. Obwohl einzelne Tests Hinweise auf räumliches Clustering oder einen lokalen Cluster ergaben, müssen diese Resultate im Zusammenhang mit der Anzahl durchgeführter Tests gesehen werden. Bei einer Vielzahl von Tests, wie dies in unserer Studie der Fall war, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ein einzelner Test rein zufällig ein positives Resultat ergibt. Falls an gewissen Orten aufgrund lokaler Umweltverschmutzung tatsächlich ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht, so sind die Auswirkungen dieser Schadstoffquellen gemäss unserer Studie räumlich eng begrenzt und reichen maximal über wenige 100 Meter.

Weitere Informationen:

Garyfallos Konstantinoudis, Email: garyfallos.konstantinoudis@ispm.unibe.ch

Konstantinoudis et al., International Journal of Cancer 2017


© ISPM - Universität Bern 2016