Neuigkeiten im Kinderkrebsregister

05.10.2017 09:37

Lungenerkrankungen als Spätfolge einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter

Unsere Fragestellung

  1.  Haben Personen nach einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter häufiger Lungenerkrankungen, wie z.B. Lungenentzündungen, Lungenfibrose, Emphysem oder Veränderungen der Brustwand, als ihre Geschwister?
  2. Wie viele Jahre nach der Krebsdiagnose treten Lungenerkrankungen auf?
  3. Sind neuere Krebstherapien weniger schädlich für die Lunge als solche, welche in früheren Jahrzehnten gebraucht wurden?

Weshalb ist die Fragestellung interessant?

Krebsbehandlungen im Kindes- oder Jugendalter können im späteren Leben dieser Personen zu Lungenerkrankungen führen. Ehemalige Patienten müssen dreimal häufiger aufgrund einer Lungenerkrankung das Spital aufsuchen als die restliche Bevölkerung. Werden Lungenerkrankungen frühzeitig entdeckt, können Ärzte diese mildern und damit die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Es ist bisher nur sehr wenig bekannt zu Lungenerkrankungen nach einer Krebserkrankung im Kindes oder Jugendalter.

Wie haben wir das genau untersucht?

Alle Personen mit Krebs in der Kindheit zwischen 1976-2005, die in der Schweiz wohnen, haben von uns einen Fragebogen erhalten. Im Fragebogen haben wir die ehemaligen Patienten gefragt, ob sie schon einmal eine Lungenentzündung, Lungenfibrose, ein Emphysem oder Veränderungen der Brustwand hatten. Dieselben Fragen wurden auch den Geschwistern gestellt.

Unsere Ergebnisse

Wir konnten zeigen, dass Personen nach einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter mehr Lungenentzündungen und Veränderungen der Brustwand hatten als ihre Geschwister. Lungenfibrosen und Emphyseme waren in beiden Gruppen gleich selten.Personen, die mit Busulfan-Chemotherapie gegen Krebs behandelt wurden, hatten danach häufiger Lungenentzündungen. Personen, die einen chirurgischen Eingriff am Brustkorb hatten, hatten danach häufiger Veränderungen der Brustwand. Lungenerkrankungen traten bis zu 35 Jahre nach der Krebsdiagnose auf und waren in allen Personen gleich häufig, unabhängig davon in welchem Jahrzehnt sie die Krebsbehandlung hatten. Eine Ausnahme waren Lungenfibrosen; sie waren weniger häufig in erst kürzlich behandelten Personen.

Was bedeutet dies?

Lungenerkrankungen nach einer Krebsbehandlung im Kindes- oder Jugendalter können während des ganzen Lebens auftreten. Das sollte bei Nachfolgeuntersuchungen berücksichtigt werden. Es zeigt auch, dass wir in der Schweiz standardisierte Kontrollen der Lungengesundheit von ehemaligen Patienten brauchen. Jede zehnte Person nach Krebs in der Kindheit hatte eine oder mehrere Lunegnentzündungen im Verlauf seines Lebens. Dies war unabhängig davon in welchem Jahr die Krebspatienten behandelt wurden. Zukünftige Forschung sollte untersuchen, warum Lungenentzündungen so häufig sind.

Weitere Informationen:

Rahel Kasteler, Email : rahel.kasteler[at]ispm.unibe.ch

Claudia Kuehni, Email : claudia.kuehni[at]ispm.unibe.ch

Kasteler et al., Pediatric Blood and Cancer, 2017; doi.org/10.1002/pbc.26749


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