Neuigkeiten im Kinderkrebsregister

15.02.2018 08:00

Internationaler Kinderkrebstag 15. Februar

Kinderkrebs Schweiz hat eine Medienmitteilung zum internationalen Kinderkrebstag am 15. Februar verfasst.

Das Schweizer Kinderkrebsregister beantwortet dort, ob auch in der Schweiz eine Zunahme von  Krebserkrankungen bei Kindern zu beobachten ist.

Auszug aus der Medienmitteilung:

Fragen von Kinderkrebs Schweiz an Frau Verena Pfeiffer, Schweizer Kinderkrebsregister

An der CCI-Konferenz 2017 in Rom wurde auf die Zunahme von Krebserkrankungen bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zwischen 1980 und den 2000er Jahren weltweit hingewiesen. Gibt es diesen Trend auch in der Schweiz?

Auch in der Schweiz sehen wir diesen Trend. Gesamt nahmen Krebserkrankungen bei Kindern (0-14 Jahre) in der Schweiz im Zeitraum von 1985-2014 um 0.7% zu (Sommer et al., unpublished). Dieser Anstieg variiert je nach Krebsdiagnose und zwischen Altersgruppen. Zum Beispiel zeigt sich bei Kindern, die im Alter von 10 -14 Jahren erkrankten, ein höherer Anstieg als bei Kindern, die vor dem 10. Altersjahr erkrankten. Leukämien nahmen in diesem Zeitraum um 0.8% zu. Hirntumore nahmen zwischen 1985-2002 um 3.0% zu und erreichen danach ein Plateau. Der Gesamtanstieg an Krebserkrankungen um 0.7% zwischen 1985-2014 ist damit vor allem auf die Zunahme bei Leukämien und Hirntumoren zurückzuführen.

Welche Gründe kann eine solche Zunahme aus Ihrer Sicht haben?

Mehrere Faktoren können zu diesem Anstieg geführt haben. Zum Beispiel könnte eine verbesserte Krebsregistrierung in diesem Zeitraum die beobachteten Krebserkrankungen bei Kindern künstlich in die Höhe getrieben haben. So hat das Schweizer Kinderkrebsregister seit 1985 stetig seine Vollständigkeit von 85% auf 95% verbessert. In den frühen Zeiträumen wurden wahrscheinlich Kinder mit Hirntumoren nicht vollständig erfasst, da früher die Diagnose und Behandlung der Kinder mit Hirntumoren nicht immer in pädiatrischen Onkologiestationen erfolgte, sondern zum Teil in Kliniken für Erwachsene, welche die PatientenInnen nicht ans Schweizer Kinderkrebsregister meldeten. Ein weiterer Faktor ist sicherlich der Fortschritt in der medizinischen Diagnostik, der ebenfalls zu einem artifiziellen Anstieg geführt haben könnte. Verbesserte bildgebende Techniken seit Mitte der 1980 Jahre machen es möglich bis dahin undiagnostizierbare Hirntumoren in einem frühen Stadium zu diagnostizieren. Natürlich kann auch eine Zunahme von umweltbedingten Risikofaktoren den Anstieg von Krebserkrankungen bei Kindern verursacht haben. Der Anstieg von Leukämien wurde in sehr vielen Ländern beobachtet und es wird davon ausgegangen, dass zumindest ein Teil der Zunahme einem realen Anstieg der Erkrankung entspricht und nicht nur einer verbesserten Diagnostik und Registrierung.

Welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie global und für die Schweiz?

Die Herausforderung wird sein, die Gründe für den Anstieg zum Beispiel der Leukämien genauer zu durchleuchten. Das Ziel ist, vermeidbare Risikofaktoren zu identifizieren, um diesem Anstieg vorbeugen zu können. Das Schweizer Kinderkrebsregister führt Forschungsprojekte zu umweltbedingten Risikofaktoren, wie beispielsweise zu ionisierender Strahlung, Luftverschmutzung und Expositionen gegenüber gewissen Chemikalien durch.

Das Schweizer Kinderkrebsregister ist eine Mitgliedorganisation von Kinderkrebs Schweiz.

 

 


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