Neuigkeiten im Kinderkrebsregister

19.03.2018 13:05

Räumliches Clustering von Kinderkrebserkrankungen in der Schweiz: Eine landesweite Studie

Unsere Fragestellung

Untersucht wurde, ob Kinder, die als Kind an Krebs erkrankt sind, tendenziell näher beieinander leben als zufällig erwartet (räumliches Clustering) und ob es in der Schweiz bestimmte Gebiete mit einem besonders hohen Risiko für eine Krebserkrankung gibt (räumliches Cluster). Es wurde sowohl der Wohnort bei Geburt als auch bei Diagnose untersucht.

Weshalb ist die Fragestellung interessant?

Die Ursachen von Krebserkrankungen im Kindesalter sind weitgehend unbekannt. Studien deuten jedoch darauf hin, dass Umweltfaktoren wie die Exposition gegenüber Hintergrundstrahlung, Infektionserreger wie das Epstein-Barr-Virus, eine Rolle spielen könnten. Da die Exposition gegenüber solchen Faktoren davon abhängt, wo Kinder leben, können die Krebsrisiken im Kindesalter von Ort zu Ort variieren. Umgekehrt könnte das Vorhandensein von räumlichen Clustern oder Clustern neue Hinweise auf mögliche Umweltrisikofaktoren liefern.

Wie haben wir das genau untersucht?

In diese Studie wurden Kinder eingeschlossen, die unter 16 Jahre im Zeitraum von 1985 – 2015 in der Schweiz an Krebs erkrankt sind. Insbesondere untersuchten wir Kinder mit Lymphomen, Hodgkin-Lymphomen, Non-Hodgkin-Lymphomen, Tumoren des Zentralnervensystems, Astrozytomen, intrakraniellen und intraspinalen embryonalen Tumoren, anderen Tumoren des Zentralnervensystems, Neuroblastomen, Nephroblastomen, bösartigen Knochentumoren und Weichteilsarkomen. Für fast alle Kinder hatten wir geokodierte Geburtsorte und Diagnosen.

Unsere Ergebnisse

6.057 an Krebs erkrankte Kinder wurden eingeschlossen. Zahlreiche Tests zeigten keine statistischen Belege für räumliche Clusterbildung. Die Ergebnisse einzelner Tests deuten jedoch auf eine räumliche Clusterbildung hin, wobei dies am Stärksten ist für Hodgkin-Lymphome und intrakranielle und intraspinale embryonale Tumoren. Der Test für räumliche Cluster deutet auch auf ein Cluster von intrakraniellen und intraspinalen embryonalen Tumoren in der Westschweiz hin.

Was bedeutet dies?

Insgesamt unterstützt diese Studie nicht die Hypothese für räumliches Clustering oder räumliche Cluster von Kinderkrebserkrankungen. Einzelne Tests deuten eine räumliche Clusterbildung für spezifische diagnostische Gruppen an, was mit früheren Studien übereinstimmt. Unsere Studie deutet daher darauf hin, dass verschiedene Krebsuntergruppen unterschiedliche Umweltrisikofaktoren aufweisen könnten, was die Notwendigkeit unterstreicht, verschiedene diagnostische Untergruppen in zukünftigen Studien getrennt zu untersuchen.

Weitere Informationen:

Garyfallos Konstantinoudis, Email : garyfallos.konstantinoudis@ispm.unibe.ch

Konstantinoudis et al. Cancer Causes and Control 2018. DOI: 10.1007/s10552-018-1011-6


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